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13. August 2009, 12:14
Harter Boden - Grelles Licht
Etwas vom Campieren
Wer kennt nicht die friedliche Idylle eines mit 6000 Menschen besetzten Campingplatzes. Mitten im Hochsommer bei 40° im Schatten - wenn mit Fluchen und Stöhnen die Pflöcke in den knallharten Boden geschlagen werden, kommen sich die Menschen näher - sehr nah und schon mancher Ehekrach oder das Ende einer jahrelangen Freundschaft wurde mit jedem Hammerschlag mehr und mehr eingeschlagen.
Saintes Marie de la Mér, 13.8.09 (mk) Ich habe es lange vermisst, das Leben auf dem Campingplatz. Eben, weil ich jahrelang mich von Monstercampingplätzen ferngehalten habe und wohl wissentlich gemieden habe. Diese Art von Campingidyllen sind wahre Greuelmonster mit dem hinterlistigsten Gedankengut, dass man sich vorstellen kann.
Was am Morgen mit der Ankunft und dem grossen Aha beginnt, endet bevor das Zelt oder der Wohnwagen am Platz steht, im Desaster. Nicht selten gehen solche Vorkehrungen tief - sehr tief, dann jeweils, wenn sich die Zeltaufsteller persönlich in die Haare kommen. Nicht selten entstehen so neue Hassempfindungen gegen den besten Freund, die getreuste Ehefrau oder die geliebten Kinder. Es nervt ganz einfach bei Bluthitze als Schreibtischtäter ein Zelt aufzustellen.
Bei jedem Schlag, den du jedes vierte Mal mit dem Hammer auf den Zeltpflock haust - ( die anderen drei gehen regelmässig auf deine Hand oder deine Finger) wird der Pflock kleiner, aber nicht weil er sich in den Boden spitzt, sondern weil du ihn regelmässig zuerst krumm haust. Das Grauen auf dem Zeltplatz kann beginnen. Wenn du dann schweissgebadest die letzte Zeltschnur spannst und merkst, dass du den Eingang eng am Stachelbeerenzaun platziert hast, so hast du das zweitemal die Gelegenheit, dass fürchterliche Spiel zu beginnen.
Zelte habe Wände mit riesengrossen Ohren
Nichts bleibt dir auf einem Zeltplatz verborgen. Nicht der Ehekrach von nebenan, nicht dass der so friedlich aussehende Vater gegenüber im Zelt seine Kinder abschlägt und auch nicht, dass die Nachbarskinder mitten in der Nacht schreien. Die Hunde, die ringsum bei Sternklarer Nacht bei jedem Geräusch bellen und Grossmutter vom Riesenzelt, schräg gegenüber, die regelmässig um 0130 auf die Toillette muss und dabei den halben Zeltplatz weckt wiegen dich jede Nacht in der schönsten Ferienidylle in und aus dem Schlaf.
Die gleiche Grossmutter wird dich am nächsten Tag beschuldigen, dass du das Frühstück bereits um 0730 eingenommen hast und alle geweckt hast. Der Geräuschpegel geht in den Abendstunden bis tief in die Nacht hinein, am Morgen allerdings ist es eine Heiligkeit, nicht vor 10.00 Uhr krach zu machen.
Campieren bildet - vor allem dein Wortschatz enthält nach dem Urlaub mehr Schimpfwörter
Selten wird so geflucht wie beim campieren. Sei dies, weil der Hund der Grossmutter das Gebiss geklaut hat - (Höhen die vorher Tisch und Boden unterschieden haben sind jetzt praktisch gleich) und genüsslich darum herumknappert oder die Kinder, die mit Papas Portmonaie "Verkäuferlis" spielen. Solche und noch andere Liebeleien vertiefen den künstlichen Wortschatz um einiges.
Der Sonnenbrand - dem Wohlstand zu Ehren
Nicht zu vergessen ist der so geliebte Sonnenbrand. Er zeigt an, du hast es geschafft, unter all den Menschen die am Meer Urlaub machen dabei zu sein. Du willst ihn unbedingt, darum legst du dich auch bereits am ersten Tag an die Pralle Sonne, reibst dich mit Sonnenschutzmittel ein und gehst bereits nach drei Stunden mit einem knallroten Rücken den Weg vom Meer zum Zelt zurück. Nicht zu vergessen sind die geliebten Bücher die du aus dem edlen Büchergestell im Wohnzimmer mitgenommen hast. Sie werden in Zukunft wohl nicht mehr in dein Gestell passen. Sie sehen nach dem ersten Strandbesuch so aus, als hätten sie mehrere Gewitter alleine draussen in stockfinsterer Nacht überstehen müssen.
Wieso du für deine zweite Sonnencreme, (die mitgenommene hast du bereits im Sand vergraben) das vierfache bezahlen musst als zu Hause, ist nicht ganz klar - doch mit dem Gefühl einen guten Kauf und den Kampf gegen die beissende Sonne aufgenommen zu haben, akzeptierst du jeden Preis. Das passende Aprés Soleil, dass mit seinem Preis spielend einen kleinen Imbiss finanzieren würde, nimmst du mit Dankeskuss entgegen und lächelst beim bezahlen sogar - zweimal.
Dem tollen Animationsprogramm, für das du zu Hause laut pfeifen würdest, entlockt dir sogar Beifallsstürme, weil ganz einfach alle klatschen. So einfach ist das - Ferien auf dem Campingplatz sind Ferien für dich und mich.
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