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Marcel Krebs

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16. November 2009, 18:56

November (Alp) Traum - Zum Selbstmord des Fussballers Robert Enke

Der November hat es in sich. Im November passieren die unmöglichsten Dinge. Menschen drehen durch, kommen nicht mehr mit dem Leben zurecht und zuletzt sehen sie nur noch den Selbstmord, als letzten Ausweg. Ist es ein Ausweg? Psychologen und Psychiater streiten sich schon lange, ob man solche Szenerien vermeiden könnte. Weiter sind sie bis heute nicht gekommen. Auf die Idee, miteinander ein anderes Umgangdasein zu tätigen, darauf kommt niemand. In der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportclub und in der Familie, herrschen an vielen Orten chaotische Zustände. Zustände des Seins oder Nichtseins. Der Stärkere gewinnt - der Schwächere stirbt! Sind wir dennoch nicht da, um diesem Schwächeren zu helfen? Ihm die Weichen zu stellen? Auch wenn diese schon eingerostet sind? Ich meine ja. Das Problem der Selbstmörder betrifft anschliessend ja noch andere - meist Unschuldige. Auf diese wird dann wiederum keine Rücksicht genommen, wie im Fall des deutschen Fussballers Robert Enke. Der Lokführer wird sein Leben lang das Schreckenszenario tragen müssen. Die Beerding mitten in der Fussballarena von Hannover 96, hat das Unfassbare noch so richtig geschnürt - der Kult um ein Ereignis der besonderen Art, hat in mir einen faden Geschmack zurück gelassen.

Brüttisellen, 15.11.09 (mk) 35'000 Zuschauer im Stadion, bei der Abdankungsfeier des Robert Enke. Er hat sich letzte Woche in voller Verzweiflung vor einen Zug geworfen und dabei den Lokführern für ihr weiteres Leben ein schauriges Trauma hinterlassen. Den beiden Lokführern gedenkt niemand. Sie lässt man allein - mit Schuldgefühlen, die ihnen ein Selbstmörder zugefügt hat. Unbegreiflich! - Dass jemand sein Leben wegwirft, irgendwohin wo er niemanden belästigt und niemandem einen Lebensanker setzt, ist seine Sache. Dass man aber Menschen die ahnungslos im Leben stehen mit einer solchen Tat in den Wahnsinn treibt - ganz einfach unverzeihbar.

Kult

Dass man dann noch einen Kult daraus macht, die Bundeskanzlerin noch einen persönlichen Brief an die Witwe schreibt, das halbe Spielfeld im Fussballstadion von Hannover 96 mit Kränzen und in der Mitte mit dem Leichnam im Sarg aufgebahrt wird - gibt zu denken. Alle Ehre vom Tod - diesen Kult wäre nicht nötig gewesen. Dass zudem am gestrigen Sonntag noch der Totensonntag war, wo man an Kriegsgefallene gedacht hat, ist vielleicht Zufall - doch an die Gefallenen deutschen Soldaten im Krieg in Afganistan dachte niemand. Die hätte es verdient. Wenn schon.

Abschiedsspiel

Das Abschiedsspiel des Robert Enke hat also stattgefunden - die Veranstalter so leid es mir tut, haben da einen falschen Weg gewählt - die Kirche hat mitgemacht - wo gibt es sonst so viel mehr Ruhm und neue Kirchengänger zu holen? König Fussball regiert einmal mehr die Welt. Fliegt ein Ball, so kommen alle hergeflogen. Die ganze Angelegenheit ähnelt eher einer perfekten Marketingstrategie mit ganz spezifischen Absichten als einer trauernden Fussball-gemeinde mit weltlichen Absichten.

Was ist mit den anderen Menschen auf der Welt?

Gedenken wir nur einmal ehrlich und redlich anderen bedürftigen Menschen, irgendwo auf der Welt? Geben wir ihnen beispielsweise genügend Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln, wir im hochtechnorisierten Europa? Wie wäre es bw. wenn die Fussballgemeinde ihren Anteil an einer gemeinnützigen Gesellschaft, in einem armen Land oder anderswo leisten würde. Trost ist, dass das Stadion in Hannover nicht ausverkauft war - ein Hoffnungsschimmer, dass sich nicht alle Fussballfans als Marketingopfer sehen wollen.

Der November hats eben in sich

Die Welt spielt verrückt - muss das sein? Müssen wir uns auf solche Weise in den Vordergrund stellen? Ich glaube- nein! Der Mensch wächst an seiner Bescheidenheit, seiner Ehrlichkeit und seinem Charakter zum Grossen! Die Darstellung - die Selbstdarstellung ist nicht nötig. Es gibt viele hundertausend kranke Menschen auf der Welt - für die schaut niemand - und unsere Arbeitsplätze sind voll psychisch Angeschlagener - für die schaut niemand - und wenn sie den Freitod wählen wird höchstens gesagt, er hatte sein Leben nicht mehr im Griff. Ja fast verächtlich wird darüber geredet. So sind die Tatsachen. Darum frage ich mich auch heute noch

Muss das sein?

Marcel Krebs

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