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27. Dezember 2009, 12:55
Spaziergang auf den Mt. Everest
Zur Sendung des SF DRS
Eigentlich glaubte ich bis heute, dass die Mt.Everest Expeditionen und deren Mitglieder die grössten Helden der Bergsteiger-Geschichte sind. Immer wieder wird von den Abenteuern auf den höchsten Berg der Erde berichtet. Für mich wie, wenn die Bergsteiger dann irgendwann den Yeti sehen. - Seit gestern Abend wurde dieses Bild komplett zerstört. Der Doc Film von Arthur C.Honegger und Hari Thapa und Frank Senn, hat mir und wahrscheinlich Tausenden von Schweizern und Bergrfreunden die Illusion genommen, es mit Übermenschen zu tun zu haben. In einer solchen kommerz-iellen Expedition läufst du in Wirklichkeit wie auf einem anstrengenden Spaziergang auf den höchsten Berg der Welt. Jeder gut trainierte Sportler kann das. Ich jedenfalls habe die Achtung von diesen Prahlhalsen am Berg für immer verloren. Ausgenommen sind natürlic die echten Bergsteiger, die in zweier -dreier - vierer oder fünfer Teams die Gipfel erklimmen, ihre Lasten selber tragen und auch selber für die Sicherheit sorgen. Was aber an den Hängen des höchsten Berges an Prahlerei passiert, ist unaktzeptabel. Dennoch haben diese Touren etwas sehr positives an und mit sich. Diese Bergsteigtouren der Prahlhälse ernähren jedes Jahr hunderte von Sherpas und damit ihre Familien. Ohne diesen Everest Tourismus hätten viele Tausend Nepalesen kein gesichertes Einkommen.
Brüttisellen, 27.12.09 (mk) Die wahren Helden der Mt.Everest Abenteuer sind die Sherpas. Sie sind die Arbeiter dieser Möchtegernbergsteiger. Sie lassen sich den grossen Gefahren aussetzen, damit einen Tag später die Bergtouristen gesichert an den Seilen die bis zu 45° steilen Hänge hochlaufen können. Sie können sich dann raufziehen ohne in die Gefahr des Abstürzens zu begeben.
Der grosse Bluff der Mt.Everest Bezwinger
Schon Reinhold Messmer hat in seinen Vorträgen und auch in Fernsehsendungen öfters über diesen abscheulichen Massentourismus auf dem höchsten Berg der Welt berichtet. Geglaubt habe ich es ehrlich gesagt nie, für mich waren diese Bergsteiger grosse Helden - Helden, vor denen ich grossen Respekt hatte. Dieser Respekt ist nun allerdings einem erstaunten, was??????mit zweihundert Fragezeichen gewichen. Jeder Respekt vor diesen Leuten ist gewichen - die sagenhafte Leistung und die Mär von den ungeheuren Strapazen, von ihrem grossen Triumph mit der Erklimmung des 8850m hohen Berges, und dem Gipfelfoto vom Dach der Welt ist nicht mehr viel mehr, als ein in Konkurs geratenes Theater und seinen Lügengeschichten geblieben. Ich habe nur noch ein müdes Lächeln für diese "Helden" übrig. Denn diese Leistung kann jeder gut trainierte Sportler nachahmen, wenn er das gleiche Umfeld wie die gezeigte Truppe hat. Eine Illusion in mir ist tief im Herzen zusammengestürzt, wie die Schneelawinen, die weitab der Aufstiegsroute zum Mt.Everest zu Tale donnern.
Die grosse Mär einer wahnsinnigen Leistung
Die sogenannten Mt.Everest Touristen sprechen von ihrer Besteigung aufs Dach, als seien sie nur knapp dem Tod entronnen. Die Docsendung auf SF DRS "Die wahren Helden des Mt.Everest" hat uns Stubenhocker, nun etwas anderen beleehrt. Die wahren Helden sind die Sherpas, die in der gleichen Zeit die Strecke aufs Dach der Welt 3-4 mal zurücklegen und dies mit einem ungeheuren Gefahrenpotential, um den nachfolgenden Touristen einen möglichst bequemen Aufstieg vorzubereiten.
Die Sheraps - die wahren Helden
Was sich dann auf Video der vermeintlichen Bezwinger so grauenhaft Gefährlich mimmt, haben die Sherpas in mühsamer Arbeit und unter grosser Gefahr zwei Tage vorher ins Eis geschlagen. - Jetzt können die angehenden Everestbezwinger einfach einhacken und sich am gelegten Seil emporziehen. Einfache Bergsteigerausbildung genügt. Und auch die gefürchteten Eiswände zum Einstieg in den Everest haben sie längst vorher mit Aluleitern zwanzig Meter Hoch gesichert, sie sind unter grosser Gefahr in die Eiswand geklettert und haben die Leitern befestigt. Dazu haben sie Wochen vorher noch beim Schweizer Fernsehteam einem Kameramann-Kurs besucht und sind nun echte Kameramänner, wissen mit den teuren Geräten umzugehen. Sie sind nun in der Lage alles zu filmen und haben das auch in grossartiger atemberaubender Weise getan.
Sherpas tragen bis zu 60kg Gepäck - die Touristen ein Rucksäckchen
Es ist unser Job, diese Arbeit unter grossen Gefahren zu machen - sagt der Sherpaführer. Doch wenn du kaputtt bist, kommt dir schon mal die Galle hoch. Wir tragen die Verantwortung und das Gepäck, richten Lager um Lager ein - steigen rauf und runter um eine Piste zu präparieren, wo die Touristen ohne grosses wenn und aber raufkommen und auf leichte Weise auch können. Wir würden aber niemals reklamieren, schon gar nicht bei unseren Touristen. Von der Expedition erhalten wir pro Aufstieg alles inkl. der Vorbereitung ca. 5500 US-Dollar. Wir haben alle Familien und diese zwei Monate sind unser einziger Verdienst im Jahr. Wir sind darauf angewiesen und machen unsere gefährliche Arbeit gerne.
Einfach liegengelassen
Die Schweizer Expedition hat bw. in Lager 2 einfach ihre Schlafsäcke und weiteren Utensilien, die sie auch auf Lager 3 benötigen, liegengelassen. So müssen die Sherpas das zusätzliche Gepäck aufladen und mit durchschnittlich 26kg Zusatzgepäck die 45° steilen Hänge alles hinterher tragen. Sonst hätten die Touristen im Lager 3 in der nächsten Nacht keine warmen Schlafsäcke! Total abgekämpft kommen sie Stunden nach den Bergtouristen im Lager 3 auf 7800m ü.M an.
Ihre Ausruhzeit bis zum Gipfelsturm wird genau vier Stunden betragen.
Mitten in der Nacht der Sturm zum Dach der Welt
Um 22.00 Uhr brechen sie auf. Die Schweizer Bergtouristen ausgerüstet mit den Atemmaske und Sauerstoffflasche. Die Sherpas ebenfalls mit Atemmaske und Sauerstoffflasche doch mit dem Zusatz von je zwei Flaschen für die Bergtouristen. 14 Stunden werden sie nun unterwegs sein bis zum Gipfel und zurück. Am Morgen um 0900 sind alle oben - die Schweizer Fahne wird gesteckt. Ein grosser Tag - wir haben den Mt.Everest bezwungen!! Hurra es lebe die Schweiz!!
Ein Drama bahnt sich seit einigen Tagen an
Da ist der Tessiner Gianni, der schon einige Achttausenden ohne Atemschutzmaske bezwungen hat. Er will auch diese Besteigung "ohne" machen. Obwohl er gewarnt wird und obwohl niemand seinen wahren Grund verstehen will und alle den Kopf schütteln geht er Schritt um Schritt weiter - bis in den Tod. Er startet einen Tag vor der Masse und wird bereits nach Stunden eingeholt und überholt. Er kommt mit seinem Sherpa ebenfalls auf dem Gipfel - begegnet seinen Kameraden zum Letztenmal als diese bereits wieder hinunterkommen. Oben hätte er bereits wirres Zeugs geredet, sagt sein Sherpa. Habe seine Maske vom Gesicht gerissen - fortgeschmissen. Auch die vom Sherpa wollte er nicht tragen. So machten sie sich an den Abstieg, wo er nach einiger Zeit zusammenbrach und auf der Stelle tot war. Der Sherpa hat ein unglaubliches Trauma aufgenommen. Einer vor ihm sei noch nie gestorben, dass sei für ihn furchtbar. Trotzdem sichert er den Toten, geht zum nächsten Lager runter und kommt am anderen Tag mit drei Helfern wieder hoch. Zusammen tragen sie den Toten bis auf 7000 m runter und beerdigen ihn würdig unter Steinen, die da der sonst ewige Schnee freigibt. Somit hat die Bezwingung des höchsten Berges der Welt doch noch sein Drama gefunden und bringt die Mär wieder ein gehöriges Stück weiter - Kampf auf Leben und Tod, Schneestürme, Dramen, Kampf, Leiden etc. Die Bergtouristen am Mt. Everest werden damit weiter zum Dach der Welt wandern.
Ein unglaublich schöner, tiefgehender Film, der glaube ich ungewollt den Massetourismus und Bergsteigerunsinn am Mt. Everest mit Recht blossgestellt hat.
Für Sport-heute.ch
Marcel Krebs
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