Mittwoch, 8. February 2012, 06:37:14 Uhr














17. August 2010, 12:23

Verwehter Sand

Nun bin ich seit 13 Tagen im Süden Frankreichs. Genau gesagt in der Camargue, dem Naturreservat in dem auch bereits etliche Mängel an Pflege zu beobachten sind. Längst sind die abgeschotteten Wege zu Pfaden für Biker, Reiter und Festbrüder geworden. Der Respekt gegenüber der Natur hat gewaltig abgenommen. Wo noch vor Jahren eine unglaubliche Vielfalt an Vögeln und Reptilien lebte findet man noch ein paar verschnupfte Pelikane, ein paar Fischreier und andere Vögel. Wenn man Abends genau hinschaut, da sieht man hie und da einen Biber, der seines Dammes waltet und kräftig baut. Eidechsen oder Schlangen, sieht man so selten wie der Regen hier im Süden. Und doch hat dieser Flecken Erde immer noch eine gewaltige Faszination.

Saintes Marie de la Mér, 17.8.10 (mk) 13 Tage – 13 Tage Sonnenschein

Hier in der Camargue, mit dem Wind der den feinen Sand vom Strand über den Zeltplatz trägt ist eines meiner kleinen Geheimnisse des Wohlseins. Die Stille, die im Moment hier herrscht ist einfach wunderbar. Klar, bis Gestern war noch der ganz grosse Rummel mit Animation und lautem Geschrei – gehört aber einfach dazu. Heute nun die absolute Ruhe – das absolute Glück. Ab und zu fährt der Lautsprecherwagen der Arena der Stierkämpfer vorbei und wirbt für den allabendlichen Stierkampf. Blöde Sache. In Andalusien wir ja diese Art des Kampfes aussterben – mit Recht, finde ich.

Neben mir sitzt Larry unter dem schattenspendenen Vordach und schnarcht die Gerechtigkeit eines erfüllten Hundelebens. Ein Flieger fliegt vorbei mit einer hundert Meter langen Reklame, von Geant. Hinter der Hecke meines Zeltes schlägt mein Nachbar zum x-ten Male die Pflöcke ein. Die müssen unendlich lang sein, denn es wiederholt sich alle paar Stunden. Gegenüber liest einer im Buch und neben mir essen sie Muscheln. Das Leben auf dem Zeltplatz ist lustig, fröhlich und idyllisch. Larry z.b. hat solch eine grosse Auswahl an Hundedamen – phänomenal.

Ehekrach mit schwerem Geschütz

Da war am Samstagabend was los. Gleich hinter der Hecke – hinter meine Kochherd und Gartengril, duellierten sich die Nachbarn. Natürlich auf französisch. Den ganzen Samstag lief das Radio schon auf einer unerträglichen Frequenz. So, wie wenn eine Kette am Zahnrad nagt. Chrrr....chrrr..... Scheusslich. Gegen Abend wurden die Stimmen immer lauter und so um Acht, flog der Ehemann geschupst von seiner Ehefrau in das Vorzelt, so eines wo man auch in Wirtschaften hat. Ein richtig schönes. Was macht man eben, wenn man imVollen geschupst wird? Man hält sich am erstbesten Halt und dies waren die zarten Zeltstangen. Rutsch und Riss und die linke Seite hatte gebogene Teile wie bei einer Krokodillokomotive und der Zeltstoff hing hinab wie selbergeschneiderte Vorhänge. Wer jetzt geglaubt hat, dies sei das Ende des Kampfes, der hat sich gewaltig geirrt. Nicht der geschupste Mann sondern die aufgebrachte rothaarige Dame (ich habe nichts gegen Rothaarige) übernahm weiterhin die Initiative und schrie ihren Mann an, als seien sie in ihrem Haus weit abgeschieden von Nachbarn:“ Du Nichtsnutz, Du Lügner, Du elender Drecksack!“ Und gab ihm gleich nochmals einen Schups auf die andere Seite so dass der ganze Unterstand aussah, als sei von oben eine Sternschnuppe darauf gefallen. „Siehst Du!“ Nicht einmal das Zelt abbrechen kannst Du!“ Da sich der ganze Dialog inmitten der besten Publikumsbeteiligung befand, (im Fernsehen redet man da von Höchstquoten) störte die Beiden anscheinend nicht. „Schlampe!“ sagte der Mann nur und brachte seine geliebte Frau erneut in Rage. Die Kinder (vier an der Anzahl) nahmen das ganze gelassen und fragten zwischendurch, Mama gehst du jetzt?

Nachdem immer wieder die gleichen Sachen ins Auto gestopft wurden, und die Frau noch etliche Male „Nichtstuer, Taugenichts, Alter Feigling, Leugner etc. rief“ entschwand sie mit dem Auto und kam erst am Morgen wieder. Doch gleich bei Tagwache rief sie schon ins Zelt, „ Leugner bist du noch nicht weiter?“

Hier mache ich Schluss, denn hier wurde es tragisch. Zum Schluss wollte der Mann die Fahrräder noch hierlassen, doch die Frau bestand darauf sie mitzunehmen. Er warf sie dann einfach auf die Haken hinten am Auto und fuhr los. Ein Lachen konnte sich nun keiner mehr verkneifen, die Show war zu Ende und es fuhr ein Auto mit drei Fahrrädern weg, wo kreuz und quer am Auto hingen, keine zwei Millimeter über dem Boden.

Ferien entwickeln ganz spezielle Eigenarten. Ferien sind zum erholen und vielleicht gehörte ja das alles zum Programm der Familie dazu. Schöne Grüsse aus dem Süden.

Marcel

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