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Laryssa Lenz

17. November 2010, 00:12

Novembertage

Ich spür eine Leere, eine Leere die fast unheimlich ist. Ich sitz mitten in der Nacht auf der Redaktion und grüble, grüble dass keine Leere mehr ist. Und ich denke, dass der November der Monat der Toten ist, der Toten an die wir in Ehren und guter Erinnerung denken. Und ich denke, dass gerade jetzt wieder Menschen durchdrehen, durchdrehen, andere bedrohen um schlussendlich den Versuch zu wagen, ihnen ein Leid anzutun. Die Welt spielt verrückt, sind wir denn alle verrückt? Gedanken, die mich beschäftigen - Gedanken, die mir manchmal überhaupt nicht gefallen. Müssen diese Gedanken denn sein?

Brüttisellen, 17.11.10 mk (mk) Ich höre Musik, nein keinen Rock, keine Hitparade, keine Schnulzen - sondern ganz einfach Musik zum träumen. Diese Musik führt mich noch mehr in eine momentane Stille, ins Abseits der Gefühle. Ich sitz seit Tagen wie im Kino - das Leben (mein bisheriges) läuft wie ein Spielfilm in solchen Momenten vor mir ab. Die Musik lässt mich träumen aber auch Höhepunkte nacherleben, die Musik lässt mich aber in eine traurige depressive Stimmung fallen. Ich geniesse es - Gefühle hautnah zu leben, Gefühle auszuleben - ich schäme mich nicht.

Und doch wird mir immer wieder bewusst, wie bestimmt unsere Mission hier auf Erden ist, wie bestimmt wir uns hier unten bewegen. Vielleicht ist dass Ihnen auch schon passiert; Moment, dass habe ich doch schon mal erlebt, ein Déjavu. Oder Sie haben ganz überrascht inne gehalten und gedacht; Moment, was willst du jetzt machen?

Ich höre an meinem Lapptop wohl die schönste Musik die es gibt, und die noch in einer einmaligen Qualität. Ein Geschenk meines Sohnes zu meinem diesjährigen Geburtstag. Es hat mich besonders gefreut. Die Musik ist für mich Lebenselexier. Ohne Musik kein Leben. Für mich jedenfalls. Musik bedeutet für mich sehr viel. Irgendwann am Tag lass ich mich von meiner Musik leiten, leiten ins Glück meiner eigenen Gedankenwelt.

Wissen Sie, wieviele Menschen in diesem Moment, wo Sie diese Zeilen lesen verzweifelt sind, wieviele Menschen mit der Entscheidung ringen - Sterben und endlich von allem erlöst sein? Wissen Sie, dass genau jetzt wo Sie diese Zeilen lesen, Menschen am Arbeitsplatz verzweifelt nach einem Ausweg suchen. Sie können ihn aber meistens nicht finden, denn zuviel hängt von ihrer Anstellung ab. Sie müssen sich zuvieles gefallen lassen, müssen schlucken und alles in sich hineinbeissen. Ein grosser Teil unserer Freunde sind innerlich am Ende, innerlich ausgehölt und tot. Sozusagen lebende Leichen, die wie ferngesteuert den Tageskreislauf auf sich nehmen. Sie kommen von der Arbeit nach Hause und fallen totmüde aufs Sofa. Wieder ein Tag! Nur noch drei Tage bis Freitag!

Ob wir es wahrhaben oder nicht, bei uns herrscht oberste Alarmstimmung - irgendwann hängt es wieder einem aus und er läuft Amok. Eigentlich verständlich - wir züchten ja solche Monster und wie!

Es gibt dennoch auch wunderschöne Lichtblicke. So wie am letzten Sonntag, als wir Hundchen weit oben in den Bergen auf der Heimfahrt aus dem Süden in den frischen Schnee raus liessen. Welche Freude! Hundchen bedankte sich auf seine weise. Er kugelte und rugelte den Hang hinunter, mit vollem Speed wieder hinauf und schlussendlich auf allen Vieren müde aber und glücklich, mit einem Satz wieder ins warme Auto springen zu können.

Novembertage sind schwierige Tage. Wir neigen alle in diesen Momenten zu gewissen Zweifeln. Wir zweifeln an uns selbst, zweifeln an unseren Mitmenschen und zweifeln eigentlich an allem, dass wir in die Hand nehmen. Novembertage haben auch die Tendenz uns fertig zu machen, traurig zu stimmen und an den Rand des Wahnsinns zu treiben.

Ein Lichtblick wird aber bald schon kommen. Weihnachten, das Fest der Besinnung, das Fest der grossen Freude. Dann ist alles vergessen, was in den dreissig langen Novembertagen war.

Und wie immer nehme ich in solcher Stimmung meinen indianischen Führer hervor und da steht vom 16. November:

Ein mitternächtlicher Himmel im November ist eine Aussicht, die der Betrachtung wert ist. Nichts kommt der Klarheit des grenzenlosen Nachthimmels gleich, der mit so vielen Sternen übersäht ist, dass sie mehr wie ein auf ewig darübergeworfener Schl aus Spinnweben erscheinen. Wir nehmen so vieles als selbstverständlich hin: die geläufige Schönheit des Alltagslebens, den süssen Schlaf, ga lv di, und das ruhige Atmen, das die Nacht bietet. Es scheint, dass wir demjenigen unsere Aufmerksamkeit schenken, was am lautesten anklpft, und all das, was uns erfreut und tröstet, vorübergleiten lassen, ohne es zu sehen. Jetzt, da der Nachthimmel so spektaktulr ist, ist es ein Geschenk der Jahreszeit, hinaufzublicken und zu erkennen, dass unsere Seele frei und grenzenlos ist. Nicht einmal das unermessliche Universum und die glitzernden Sterne, die für uns geschaffen wurden, sind vergleichbar mit den Sternen in unsererm Herzen und mit dem, was für uns bereitet worden ist.

Mein Herz ist froh, und ich werde nichts vor dir verbergen. Santana (Aus Die weisen Frauen der Cherokee)

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