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Marcel Krebs

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KLUBNACHRICHTEN

31. Dezember 2010, 00:21

Zuviele Höhenmeter am Kilimanjaro

Manchmal kann man es nicht glauben. Da wollen Promis und andere Promisternchen zum Kilimanjaro nach Afrika - hinauf zu Eis und Schnee - so zur Auffrischung des eigenen Geschlechtes und des Bekanntheitsgrades. Doch wenn Promis schon mal auf den Berg steigen, muss selbstverständlich kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Schlussendlich marschieren sie nicht ohne Tubawubu auf das Dach der Welt in Afrika - hinauf zum König der Berge, dem gewaltigen Berg, der stets mit Schnee bedeckt ist - dem Kilimanjaro. Wenn unten im Tal bei 40° im Schatten, die Temperaturen den Hirnzellen arg zusetzen - dann sind es oben auf 5895 m manchmal bis zu Minus 30°C. Gut so, denn das wird die Gemüter in ihren Höhenflügen wieder etwas abkühlen. Doch vorher wollen sie noch was Gutes tun, sie werden einer Schule "Fussbälle!!" und andere Geschenke verteilen, Hände schütteln und sich von allen Seiten fotografieren lassen. Wahre Freundschaft kennt keine Grenzen. Was nimmt man nicht alles auf sich um sich so eine Reise zu finanzieren.

Brüttisellen, 29.12.10 mk (mk) So eine Reise kostet im Schnitt um die 8000.-- Schweizer Fränkli, dass wohlverstanden mit Begleitung und Lastenträgern die einem alles hochtragen. Doch dass ist nicht wenig. Selber trägt man dabei nur seinen Verstand nach oben, wenn man einen hat. Dass aber in solchen Momenten Charity mit dranglauben muss, zeigt in andere Richtungen.

Es sieht natürlich besonders hübsch aus, wenn im Fotoalbum in der Zeitung solche rührende Fötelis sind. Ob nun jetzt die Jungs und Mädchen ihre Freude an den Fussbällen haben? Kann ja sein, doch es gäbe sicher Gescheiteres. Wieso machen die Promis nicht ein paar Wochen Ferien in so einem Dorf und legen Hand an? Helfen, und bezahlen mal aus eigenem Sack eine Suppe oder ein Uji, das Nationalgericht von Tansania - am Fusse des berühmten Berges? Als Belohnung wäre dann eine Besteigung des Berges doch noch möglich - natürlich gegen die übliche Bezahlung, so hätten die Einwohner Arbeit und die Promis könnten mal echt im Dorf mitmachen und sich langsam anklimatisieren.

Doch die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus. Man logiert in Luxushotels, macht schnell den Dorfbesuch - denkt über die Menschen was man will und ist dann auch noch hässig, wenn mal eine Reisetasche zu Boden fällt.

Haben wir alle inklusive der Prominenten auch mal daran gedacht, dass es auch bei uns arme Menschen gibt, Menschen die glücklich wären, wenn sie mal wer besuchen kommt - und Kinder die in weit abgelegenen Dörfern wohnen und kaum Spielsachen haben - mal einen wenn es schon sein muss solchen "Tschuttibölle" bekommt? oder vielleicht ein paar liebe Worte? Dass ein Jemand Verständnis für die elende Situation zeigt - es ist genug beschämend solche Vorkommnisse in der reichen Schweiz zu haben. Doch dass ist leider wenig Medienwirksam, höchstens wenn was passiert ist - die Mutter sich erschossen hat - oder der Vater sich erhängt hat. Dann gibt's was zu berichten und dann lohnt sich ein solcher Besuch im engeren Umfeld immer - die Titelseite ist gewiss. Sonst, ja sonst - was soll man in der Schweiz? Uns geht es ja allen gut und denen es nicht gut geht, die sind ja schliesslich selber Schuld.

Wie wär's liebe Promis - hat einer den Mut mal mit so einer Familie ohne grosses Werbeecho ein Fondue zu essen? Selbstverständlich bringt er das Rechaud und die Pfanne und den Käse und das Brot dafür gleich selber mit - dass wär doch was, oder?

Doch vielleicht brauchen die bekannten Gesichter erstmal den Kopf kräftig durchgelüftet und den nötigen Durchzug auf dem Dache Afrikas. Ob es reicht um nach der Rückkehr in die Schweiz wieder klarer zu denken, bleibt dahin gestellt und ich muss ehrlich sagen, ich bezweifle es. Zurück in Switzerland wird die Ballverteilung erstmals kräftig ausgeschlachtet und man feiert den Sieg über den inneren Schweinehund, den man wahrscheinlich überhaupt nicht gesehen hat - beim beschwerlichen Aufstieg ohne Gepäck. Die Tour du Schnee bringt aber die nötige Aufmerksamkeit und den Fokus auf jeden einzelnen Teilnehmer und man geniesst es, wenn die Leute sagen, was für "en Siech" man gewesen sei.

Aus dem Fondue wird wahrscheinlich nichts, die Zeit ist zu knapp - das gesuchte Dorf viel zu weit weg - Afrika war schliesslich näher und jetzt muss nun endlich wieder Kohle eingespielt werden. Jetzt müssen die Fötelis vom Dache Afrikas in stolzer Pose vor der berühmten Tafel herhalten.

Macht Sie das nicht auch nachdenklich? Doch mussten nicht schon in unserer Jugendzeit Afrikanische Kinder für unsere Träume herhalten? Erinnern Sie sich an das "Negerli" in der Sonntagsschule, das nickte, wenn man ihm einen Batzen gab. Jetzt nicken die Afrikanischen Kinder wenn man ihnen einen Fussball gibt, welch einfalsreiches Geschenk. Der Effekt bleibt allerdings der Gleiche - mit raffiniertem Charity war früher und ist auch heute wieder Geld zu machen und Ruhm und Ehre zu holen - abzuholen.

Ich zähle dennoch auf Sie - denken Sie einmal an unsere armen Kinder, mitten in der Schweiz und helfen Sie Ihnen. Es gibt genug Leid in unserer Mitte - und vielleicht genügt ja dabei auch ein Marsch zur eigenen Belohnung auf's Hörnli.

Marcel


Blogbeiträge müssen nicht mit anderen Gedanken übereinstimmen, sie sind frei erfunden und stammen aus der Feder von Marcel Krebs.

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