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Laryssa Lenz

28. Februar 2011, 04:15

Wo sind wir?

Wir leben im reichen Land - der Schweiz. Ja? Sofern man Geld in der Wertskala als höchstes Gut einstuft - ja. Leben wir nicht wie Könige im reichen Land der Schweiz? Ja - sofern man Geld und Luxus in der Werteskala als höchstes Gut einstuft. Leben wir nicht im sichersten Land der Welt? Ja - sofern man die Politik, die Behörden und die Polizei als höchstes Gut einstuft. Und, leben wir nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der grossen Freiheiten? Ja, sofern es uns nicht stört, wenn uns die Behörden vorschreiben, wie unsere Hausfassade farblich aussehen sollte oder wie unsere selbstgebasteltes Schrebergartenhäuschen richtig zwischen Tomaten und Aprikosen steht. Ist es nicht schön in unserem Land - der Schweiz? Ja, wenn uns nicht alle Vorschriften auf den Wecker gehen, die uns jeden Tag in unserer Freiheit immer mehr einengen.

Brüttisellen, 28.2.11 mk (mk) Wo bin ich? Wo sind wir? Was machen wir? Wie helfen wir uns? Können wir noch leben? Können wir noch atmen? Können wir noch sehen ohne eine grosse schwarze Sonnenbrille aufzusetzen, damit wir nicht alles sehen? Können wir noch lachen? Können wir aus Freude weinen oder weinen wir, weil wir viel Leid und Elend in unserem schönen Land entdeckt haben? Können wir überhaupt noch das Leid und die Sorgen anderer verstehen? Interessieren uns überhaupt die Wehen und Leiden anderer? Oder sind wir die, die weder links noch rechts schauen - nur geradeaus laufen und die, die im Wege stehen einfach wegpusten? Gehören Sie auch zu dieser Gruppe? Oder machen Sie sich überhaupt keine Gedanken über Menschen, die am Rande des Abgrundes stehen?

Manchmal denke ich, wir wollen in unserem wunderschönen Land unsere eigenen Schwierigkeiten nicht sehen. Uns gefällt es im Luxus zu leben und unsere Kreditkarte jeden Monat um einige Tausender, die wir nicht verdient haben zu überziehen. Wir geniessen ja das Vertrauen der Banken, der Kreditgeber und der stolzen florierenden Wirtschaft. Obwohl wir jeden Tag über unseren Arbeitgeber lästern, häufen sich unsere Schulden an - klar, so lange wir so leben, profitieren alle. Alle? Mit alle meinen Sie die Banken, denen sie jeden Monat so um die 10 Prozent Zinse zahlen - für dieses Leid, dürfen Sie dafür in Saus und Braus leben - Tag für Tag, Monat für Monat. Sie sind ausserdem stolz darauf, einer der Auserwählten zu sein, denen man vertraut und Geld gibt - Geld, damit Sie sich Luxus leisten können und eben Leben können wie die Könige damals am Nil.

Haben Sie sich auch schon einmal Gedanken gemacht, dass es bei uns ein grosses (noch) stilles Elend gibt? Natürlich unvorstellbar - Ihnen geht es ja gut. Haben Sie auch schon gedacht, dass es in der reichen Schweiz einen Aufstand geben könnte, so wie in den Nordafrikanischen Staaten? Klar, kann bei uns überhaupt nicht passierten. Erstens, reden wir zuerst in endlosen Debatten um den heissen Brei rum - und politisieren bewusst am Problem vorbei. Unsere Ängste sind gross, nicht wegen unseren internen Armutswelle, nein - es geht uns ja allen gut und die Menschen die aus Verzweiflung einen Strick um den Hals binden und sich an der Wohnzimmerdecke aufhängen, ja - dafür können wir alle nichts, armer Kerl - sauarmer Kerl - hätte er doch gefragt, was gesagt......Oder die Menschen und dass sind in unserer hochgelobten, sozial abgestützten Land, mit Psychiatern, Psychologen und dem riesigen Sozialapperat betreut werden - diesen Menschen geht es ja noch gut, im Gegensatz zu den tausenden von Flüchtlingen, die wir für unser gutes Image aufnehmen - was wollen wir auch denen weit unten lebenden, in der sozial abtrünnigen Schicht auch noch mehr unter die Arme greifen? Sie können ja nirgends hin, müssen froh sein, hier in unserem wunderschönen Land leben zu dürfen, sich Tag täglich von Sozialbeamten anmotzen zu lassen. Für die, ja für die haben wir unser gut ausgebautes Sozialsystem geschaffen. Es hat viel gekostet und um funktionieren zu können, braucht es selbstverständlich auf Futter! Wie wollen wir sonst brillieren? Wie wollen wir sonst von unseren politischen Heldentaten erzählen? Wir müssen ja das Netz zum durchfallen immer grössen machen - wenigstens die Maschen im Netz, sonst würde unser System ja ausgehebelt. Oder kennen sie eine Kuh, die ohne fressen auskommt? Wie könnten sonst die so guten Beziehungen zur Pharmaindustrie aufrecht erhalten werden? Ja, da kann man schon mal dem einen oder anderen die falsche Dosis Tabletten verschreiben - Hauptsache, wir halten unsere Anstalten, Psychiatrien und ähnliche Institutionen auf dem neuesten Stand und sorgen dafür, dass unser Sozialsystem genügend Arbeit hat.

Wussten Sie, dass bereits hunderte, ja tausende von Menschen in unserem Land auf der Flucht sind - sich von Ort zu Ort bewegen müssen, weil sie sich einen Wohnsitz nicht mehr leisten können? Wussten Sie, dass viele, viele Kinder in der reichen Schweiz nicht regelmässig zur Schule gehen? In unserem stolzen Land, wo jeder das Recht auf Bildung hat? Wussten Sie, dass wir einen grossen Teil unserer Sozialfälle selbst und bewusst produzieren? Wussten Sie auch, dass wenn wir keine "Durchgefallenen hätten, unser Sozialsystem zusammenfallen würde, wir, einen grossen Teil unserer Sozialangestellten entlassen müssten und wussten Sie, dass wir dann neues Personal einstellen müssten um die entlassenen Sozialangestellten zu betreuen? So dreht sich der Kreislauf - nur eines wäre sicher - unser Sozialsystem funktioniert immer - immer?

Halten Sie jetzt immer noch viel von unseren Institutionen, von unseren Politikern und unserer so schönen und wohlhabenden Schweiz? Und ehrlich, uns ist es doch egal wie es anderen Menschen in unserem Lande geht. Uns ist es egal, dass viele, viele Menschen in Anstalten dahin vegetieren und ruhig gestellt werden. Ihnen wird nicht geholfen - ich meine damit sie wieder in unsere Gesellschaft einzugliedern - das Problem kennen Sie ja - wir müssten viele tausend neue Soziale ausbilden um die Sozialen zu betreuen, die Sozialen die nun Sozialbezüger werden.


Wo sind wir?

Wo sind wir - In einem Land der Freiheit?
in einem Land des Licht's?
Wo sind wir - in einem Land der Sicherheit?
oder in einem Land des Nichts?
Gehören wir, zu den Menschen mit Seele?
Oder sind wir die, die ohne Gewissen?
oder sind wir abgebrüht und schon so gerissen?
Dass es uns gleich ist, was mit andern passiert?
Hauptsache unser eigenes Leben - floriert.

Wo sind wir? Sind wir da wo es uns braucht?
Oder wohnen wir - im Luxus und Glanz
interessiert uns überhaupt, unser soziale Tanz?
Wir wissen jetzt auch, wozu Maschen da sind
zum Durchfallen ins Ungewisse - zum Abstieg schlechthin
Hauptsache ist doch - wir sind nicht dabei
Wir zahlen mit Karte und schauen vorbei
Wir sind stolz - stolz Schweizer zu sein,
bei uns ist es gut - wir bleiben dabei.

Das Wetter ist schön - in den Bergen wir's hell
Wir stehn auf den Ski oder Wandern ganz schnell
wir kehren ein - und Fressen uns tot
Hauptsache ist, wir kennen keine Not.
Da spielt es keine Rolle, wenn anderen hungern
bei uns in unserem Land - sind es die, die rumlungern
zu faul zur Arbeit, ja zu faul, sogar zum essen
da macht's doch nichts - wenn wir die vergessen.

Mir geht es gut - ich bin dabei
Ich bin angesehen - ei, ei, ei, ei....
Ich lebe im Luxus - ich lebe pompös
Ich bin einer - der ist eben serjös
Wenn schon Gedanken, mach ich sie mit mir
denn schliesslich muss ich eines stillen -
dass ist meine Gier.

Marcel Krebs

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