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07. Mai 2011, 08:49
Verabschieden wir alte Traditionen
Die Welt ist im Umbruch. Die Menschen befinden sich im Umbruch. Die Traditionen befinden sich im Umbruch. Vielleicht liegt es auch daran, dass man in jüngeren Jahren sich nicht mit diesen Themen befasst oder es uns im jugendlichen Übermut ganz einfach nicht interessiert. Wieso trauern wir dann aufeinmal wenn wir älter sind, solchen Veränderungen nach? Wer hat sie überhaupt gemacht? Sind es nicht unsere Kinder? Ist es der Drang etwas neues zu kreieren oder gar die Lust mehr Geld zu verdienen? Fragen die meistens nur ältere Menschen oder geldgierige Firmen und ihre Manager beschäftigen.
Zürich, 4.5.11 mk (mk) Wir hängen am alten Mist! Diese Antwort kommt meistens all zu leicht über die Lippen. Wir trauern einem Vergnügen nach, dass nicht mehr rentiere und nicht mehr finanziert werden könne. Dabei sind es hier meistens nicht die fehlenden Einnahmen, nein, man kann ganz einfach die Umsätze mit herkömmlichen altbekannten Mitteln nicht mehr erhöhen. Muss es aber immer mehr sein? Der Kampf der Wirtschaftsbosse geht da natürlich über Leichen. Ob jetzt die neue Errungenschaft da hin passt, ist völlig egal. Hauptsache ist, diese Errungenschaft bringt mehr Geld. Brauchen wir aber dieses "mehr Geld"? Gescheite Frage - fassungsloses Erstaunen auf der Gegenseite. Natürlich! Wir brauchen mehr Einnahmen, sonst können wir dies oder jenes nicht mehr finanzieren. Es rentiert sich nur.....wenn......etc.,etc.
Meistens finanzieren wir unsere Veränderungen durch höhere Preise und dem Abbruch alter Traditionen. Ist man sich bewusst, dass man mit diesen Trends viele Menschen verunsichert. Klar, die kommen nicht mehr klar mit der Welt - ihrer Veränderungen, ihrer Verbesserungen. Brauche ich aber dieses und jenes oder dies oder das? Brauchen die Menschen überhaupt dies oder das? Bringen uns diese Veränderungen wirklich weiter? Ich bw. wäre einverstanden, wenn alles geerbte Geld für solches eingesetzt würde. Wir bauen, fabrizieren, entdecken und bereisen bald alles auf Pump! Die Banken machen es uns vor, wie es geht. Günstige Zinse, günstige Kredite und noch günstigere Rückzahlungen. Wenn ich so blöd bin und einen Radio der 200 Schweizer Franken kostet in 12 Raten a 19.90 kaufe, habe ich ihn zwar in den nächsten fünf Minuten, bin aber so blöd, dass ich sage und schreibe einen Zins von 20% bezahle. Oder ich kann bauen, bauen und nochmals bauen und dies alles auf Kredit. In einem Baumarkt ist gleich das Kreditinstitut angebaut und die Kreditgeber interessiert auch nicht, ob mein Ferienhäuschen vorher auseinanderfällt als es bezahlt ist, oder ob ich es überhaupt bauen kann.
Das gleich Beispiel kann man im Möbelhaus bestaunen. Möbel auf Kredit. Dabei interessiert es niemanden, dass viele Familien an solchen überdimensionalen Kreditangeboten schlussendlich scheitern. Ja, der Bund wollte schon lange die Schuldenbremse einführen. Geblieben sind die Bremsen am teuren Ferrari. Den kann man nämlich immer noch kaufen, mit verschiedenen Umwegen und verschiedenen Banken etc.
Vielleicht ist es auch das, dass man je älter man wird - sich überlegt, was wir da überhaupt auch machen. Ob das Ganze überhaupt nötig ist. Ob dies wirklich unsere Werte sind - ich meine damit unser assoziales Konsumverhalten, unsere Gier, unser Neid und unseren Drang nach immer mehr zu füttern.
Vielleicht merkt man auch erst, wenn man älter wird, was man so alles verpasst hat. Geld regiert die Welt, das stimmt doch Geld kann niemals unsere Seele regieren, darüber können nur wir entscheiden. Doch diese Seelenentscheidungen sind schwierig, besonders in jungen Jahren und man wird schnell als Ausserirdischer bezeichnet, wenn man mit dem Velo in die Ferien fährt, im Zelt übernachtet oder per Pedes über die Alpen marschiert.
Schon unsere Eltern haben mir mit ihren Traditionen und "Früher war es besser!" auf den Wecker gegeben. Wenn mir heute solche Worte über die Lippen fahren, dann muss ich Lachen. Doch ich weiss auch, sie haben nicht so Unrecht gehabt. Mit "Früher" meinten sie nämlich nicht unbedingt den Fortschritt, sondern die Art und Weise, wie man mit Menschen und Freunden redet und umgeht.
So laufe ich durch die Zürcher Bahnhofstrasse und finde dort wo einst der schöne Blumenladen stand, Luxusuhren - dort wo einst der feine Bäcker war - Luxusuhren und da wo einst der feine Fleischer war - Luxusuhren, dort wo der Spielwarenladen war - eine Bank, dort wo das riesige Kaufhaus war - eine Bank und dort wo wir immer mit der ganzen Familie einkauften - ein Bank. Man kann sich jetzt überlegen ob wir gescheiter geworden sind oder ob unserer Fantasie ein Rädchen abgesprungen ist - Hauptsache ist aber, dass wir die alten Traditionen verabschieden um neuen Traditionen Platz zu machen. Wir sind dennoch durch unsere moderne Einstellung nicht fortschrittlicher geworden sondern nur eintöniger, einfältiger und humorloser.
Marcel Krebs
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