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Laryssa Lenz

04. Juni 2011, 09:37

Nachtgeflüster

Heute Nacht bin ich aufgewacht. Wo die Gründe zu suchen sind ist schnell gesagt. Zu früh ins Bett geschlüpft. Wer geht denn schon um neun zu Bett? War aber so müde. Dazu kam, dass mein Rücken von der Hexe heimgesucht wurde. Die hat auch noch geschossen. Hexenschuss heisst dann das Resultat. Ja, dafür glänzt mein Büro, es hat einen niegelnagel neuen Teppichboden gekriegt. Wer ihn verlegt hat? Ich natürlich. Und darum mein Leiden. Doch was mach ich mitten in der Nacht?

Zürich, 26.5.11 mk (mk) Es ist zwei Uhr 0229. Im Kühlschrank brennt Licht. Ich stehe an der Küchentrese und streiche mir ein Sandwich. Laut Wikipedia sieht ein Sandwich doch etwas anders aus, als meines. "Ein Sandwich ist ein ursprünglich englischer, heute international verbreiteter Imbiss. Es besteht aus zwei oder mehr dünnen Brotscheiben, zwischen denen ... Klingt gut, doch besser hört es sich bei mir an. Mein Sandwich besteht aus... zwei Stück Brot (gross, schwarz und frisch), mit Butter bestreichen, Mayonaise, dann Salat, Gurken, Zwiebeln, eine Lage Schinken, dann Gurken, Ketchup, Salat.....Ach ja, sie werden sicher denken, Uih.....der isst Gurken und Salat. Die sind doch voll mit Ehec Erregern...Glaub ich aber nicht....Gut waschen und essen....Mein Laptop wartet bereits. Er sieht mich an und ich kanns genau ablesen, wie? Das sehe ich an gewissen Aeusserlichkeiten meiner "Geliebten" Maschine. Spinnt der? Werden Sie sicher denken. Ich kann Sie aber beruhigen, solche Anfälle zum schreiben habe ich öfters, und sie kommen meistens Nachts. Was ich schreibe? Dass, das sage ich Ihnen nicht. Sie können es ja mal versuchen irgendwann in meinem Blog zu lesen, vorausgesetzt sie finden es.

Rechts die Maus, das Sandwich.... links der Kaffee. Bewaffnet wie ein Starfighter, sitze ich vor meiner Lichtsäule und denke....nach. Ideen kommen meistens, doch heute will jetzt ganz einfach nichts kommen. Mir kommen die zwei, drei, vier oder gar fünf wunderschönen Sonnenuntergänge in den Sinn, aber auch der Abend wo ein ganz besonderes Wolkenbild am Himmel hing. Ja, solche Erinnerungen tun gut, ich liebe es Abends bei Sonnenuntergang vor meiner Hazienda zu sitzen, hoch oben über dem Tal. Meistens bin ich nicht allein, sie begleitet mich immer....meine Kamera.

Man hat im gehobenen Alter auch viele Freunde, vorausgesetzt, man ist lieb, anständig und anpassungsfähig. Ist man all dies nicht, dann sitzt man ganz alleine, draussen im stockfinsteren Wald. Ja, sie hören recht, im stockfinsteren Wald. Freunde, oder die, die man für Freunde hält, bis man weiss, dass sie keine sind, dulden keine Kritik, keine Anregung, keine Diskussion über Sein und Haben, über gut und Böse. Sagt man Ihnen sie seien die Besten, so hat man sie ein Lebenlang.

Echte Freunde gibt es nur wenige. Es muss halt auch viel zusammen stimmen. Echte Freunde ertragen auch die Wahrheit, wenn's auch manchmal weh tut. Doch ein Ratschlag von einem echten Freund tut nie weh, er ist eben ein Freund. Nur, die echten Freunde sind rar und, sie melden sich so selten. Doch ich weiss, ist man in der Not, dann helfen sie, dann haben sie Zeit zum zuhören, man kann mit Ihnen diskutieren, reden, scheckern, lachen, weinen und ganz einfach auch noch Pferde stehlen. Dabei gilt natürlich auch, dass man ihnen hilft, zuhört, mit ihnen lacht und weint und allerhand anstellt. Das sind Freunde.

Haben Sie auch solche? Nein, dann rate ich Ihnen dringend wenigstens einen Freund zu suchen. Es könnte mal eine Zeit kommen, wo sie Freunde brauchen. Ja, ich weiss. Im Moment sind sie gut bedient. Sie haben einen guten Job, verdienen viel, haben Familie, kommen erst um sieben Abends nach Hause, essen, sehen Fern und die Kinder schlafen längst. Um dieses Luxusleben werden sie beneidet. Es stimmt alles. Mit ihrer Frau reden sie tagtäglich.....am Telefon....und, sie rufen sie aus der S-Bahn an und führen hochmotivierte Gespräche mit ihr...ja, Schatz, ich bin in einer halben Stunde zu Hause. Sind die Kinder schon im Bett? Sag ihnen gute Nacht....

Es ist jetzt fast drei Uhr, mitten in der Nacht. Um mich ist dunkel, ich stehe draussen, mitten im Wald, ein Sternenmeer am Himmel, kein Laut, es ist still. Ich denk an meinen liebsten Freund, wo ist er eigentlich, was macht er, warum meldet er sich nicht? Komisch, was mache ich hier draussen. Es ist kühl, heute hat der Wetterfrosch schwüle Temperaturen angesagt, wann hören wir wieder den Kachelmann mit dem Wetter? Eigentlich wollte ich schreiben, eine Geschichte, meinen Traum vielleicht. Ich gehe rein, in mein Haus, in das Haus wo Freunde immer willkommen sind, vorausgesetzt sie kommen auch.

Es ist Samstag, das Wochenende ist im vollen Lauf. Heute American Football in Basel, morgen in Chur. Der Alltag wird mich einnehmen sobald der Tag erwacht, sobald die ersten Vögelchen von den Bäumen pfeiffen....Ich gehe jetzt trotzdem noch ein bisschen schlafen. Vielleicht haben mich meine Freunde erhört. Vielleicht melden sie sich wieder....Ich, kann aber hoffen, ich habe Freunde und Sie?

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