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21. Juni 2011, 12:59
Gluck,gluck, ich bin ein Huhn!
Hypothesen für eine totale Zufriedenheit im Arbeitsprozess
Hoch oben im wunderschönen Tösstal vor meinem Ferienhaus gackern den lieben, langen Tag die Hühner vor dem Haus. Ein wunderbares Konzert und eben, wunderbare faszinierende Hühner. Hühner sind sympathische Tiere und sie begeistern mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin im Moment noch nicht soweit, so wie der berühmte Tierpsychologe und Psychiater Konrad Lorenz mit seinen Studien über das Federvieh und laufe auf allen Vieren zum Fluss. Ich bin dennoch zum allergrössten Bewunderer dieser unglaublich schönen Lebewesen geworden, die da zum nahen Weiher watscheln. Ich kann mir bereits tatsächlich vorstellen mit dieser einzig-artigen Spezies zum Weiher zu watscheln, um in die Tiefen meiner Seele zu blicken.
Irgendwo auf dem Hof, 21.6.11 (mk) Stundenlang kann ich den Viechern zusehen, sie beobachten, sie studieren und in ihrem Tun finde ich immer mehr menschliche Züge. Die Hierarchie bei Hühnern ist streng. Wohl wehrt sich die Henne, wenn der Gockel kommt, doch es ist eher einladend als abweisend. Und der Herr befiehlt. Er befiehlt wo man spazieren geht und die Hühner folgen ihm fleissig. Und ist mal ein Huhn nicht da, so ruft der Hahn mit lauter Stimme Kikeriki und das so lange, bis wieder alle da sind.
Hypothesen für eine moderne Bürokultur
Was gibt es nichts Schöneres als Planspiele. So kann man die Hühner als nahe Freunde, die Belegschaft im Büro inklusive dem Chef und den Freundenskreis aufs Schachbrett stellen. Probieren Sie es aus und sie werden erstaunt sein, welch Ähnlichkeiten im Tun und in der Sache sie vorfinden.
"Meine" Hühner sind gescheite Dinger und sie lassen meinen Stress in Minuten abklingen. Ich stell mir vor, wenn jede Firma einen Hühnerstall im Betrieb hätte, so wäre die Arbeit für viele, viel glücklicher. Und, wenn einer nicht mehr über seinen Schreibtisch hinaussieht, könnte er sich ein paar Minuten mit den fröhlichen Dingern beschäftigen. Stellen Sie sich vor, ihr Chef watschelt auf allen Vieren hinter den Viechern durch die Gänge der Büros. Das gäbe ja auch eine komplett andere Ansicht vom bösen Chef. Modernes Stressmanaging würde ich es nennen, für die Meisten ein totaler Segen.
Das Bürogeplapper würde aufhören
Ich bin auch überzeugt, das Geplapper in den Büroräumen würde per sofort aufhören. Plappern würden ja jetzt die Hühner. Und vielleicht liesse es sich ja auch einrichten, dass der Hahn zum Mittagstisch oder zum Feierabend kräht. Die Stimmung in jedem Betrieb würde sich schlagartig verbessern. Herzlichkeit würde wieder einkehren, wenn nämlich das Huhn mit seinen Küken durch die Bürolandschaft spaziert.
Psychiater statt Zufriedenheit
Stattdessen gehen wir zum Psychologen oder Psychiater. Wir kämpfen mit Problemen, die es eigentlich überhaupt nicht gibt und schrauben mit unserem Verhalten die Krankenkassenprämien immer weiter in die Höhe. Eines haben wir vergessen, wir haben alle längst aufgehört zu denken! Wir sind eingelullt in die Maschinerie des Arbeitsalltages, Gefangene eines Betriebes und schlussendlich Gefangene unseres Selbst! Wir sind jedoch auch bequem geworden, ja es ist wie in Amerika schon seit zwei Jahrzehnten oder länger auch in der Schweiz zur Gewohnheit geworden, nicht erträglicher Stress zum Doktor zu tragen. Wie viel kann an unserem Stress und unserer Unzufriedenheit denn überhaupt dran sein, dass ein Arzt hunderte solcher Patienten gleichzeitig und immer wieder behandeln kann? Auch Ärzte sind keine Übermenschen, doch vielleicht denken sie eher in Richtung Hühnerpsychologie. Sie wissen auch, dass Hühner ihre Konflikte per sofort austragen und Sekunden später wieder eins in eins miteinander spazieren gehen.
Lernen von den Hühnern
Wie einst schon Konrad Lorenz mit seinen Viechern von seinem Haus in die 500 Meter entfernte Donau auf allen Vieren lief und im Fluss schwimmen ging, so können wir mal in einen Hühnerhof sitzen und die bezaubernden Lebewesen bewundern. Ja, wirklich bewundern. Sie leben bescheiden, gehen nicht zu weit vom Haus weg, lassen sich um acht ins Bett (Hühnerhaus) bringen und schweigen dann bis am nächsten Morgen früh um Fünf. Wir können aber auch lernen, uns wenn nötig in eine Hierarchie einzuordnen, ohne zu Motzen. Wir dürfen aber auch unsere Meinung sagen, streiten und am Schluss unserem "Gegner" die Hand zur Versöhnung reichen. Anschliessen gehen wir zusammen Essen oder auf einen Drink ins Strassencafe. Stellen Sie sich einmal vor, wir sind niemals bis auf die Unterhosen beleidigt, nie jemandem neidisch, wollen leben, weil das Leben für uns lebenswert ist und denken, weil die Freiheit uns das Denken geschenkt hat. Wir wollen niemals mehr immer nur Recht haben, wir sind aufeinmal gesprächsbereit, leben ohne Stress und nehmen die Kritik von unserem Chef oder unserem Partner als persönliche Verbesserung auf und sagen dann auch noch danke!
Ein Leben in Saus und Braus
Stellen Sie sich vor, sie arbeiten, um ein wunderbares Leben zu haben und nicht, um möglichst viel Luxusgüter zu horten und immer das allerbeste im Schrank bereitzuhalten. Sie werden jetzt sagen, die Werbung macht uns so. Falsch, sage ich Ihnen. Die Werbung zeigt uns nur Illusionen und zeigt uns vornehmlich falsche Tatsachen, die wir so nicht brauchen und meistens auch nicht so leben können. Meistens besitzen wir das Geld für den Kauf dazu nicht und darum sind wir dann anschliessend nicht glücklich, sondern tot unglücklich, weil wir monatelang die Raten abstottern müssen oder fast kein Geld zum Lebensunterhalt haben.
Das alte Lied vom Herrn Doktor
So rennen wir zum Herrn Doktor und haben aufeinmal jegliche Gebrechen und Temperaturstürze in alle Windrichtungen. Wir belasten unsere Freunde und Bekannten, die in der nächsten Jahresperiode gerad wegen uns höhere Prämien an ihre Kasse berappen sollen. Doch Hauptsache bleibt dabei für uns, dass wir den Arzt aufgesucht haben, um ihm von irgendeinem nicht vorhandenen Gebrechen zu erzählen, dass wir uns als moderne Mitbürger täglich eingebildet haben. Dass Fatale dabei ist, dass wir aus solchen Schlechtwetterperioden uns zusätzlich noch zu irgendeiner Operation hinreissen lassen, die nie nötig gewesen wäre.
Machen wir es wie die Hühner - seien wir stark!
Wieso machen wir es nicht wie die Hühner und werden stolz und stark. Oder haben Sie schon einmal ein Huhn gesehen, dass nicht sein ganzes Leben lang frisch und munter herumrennt? Auch wenn wir Hühner meistens nur vom Teller her kennen, würde es sich für viele lohnen einmal in einen solchen Hühnerhof einen längeren Aufenthalt zu machen. Bewaffnet mit Kamera und guter Laune hätten wir im Nu keine Beschwerden mehr und würden endlich ein Leben in Realität führen. Doch stattdessen besuchen wir weiter Entspannungsseminare, Management Antistressausbildungen und sind dazu noch stolz, an solch einer Veranstaltung teilgenommen zu haben um wenige Tage später in ein noch grösseres Tief zu fallen.
Sie haben Recht! Ich denke bereits wie ein Huhn, aber wissen Sie was, ich bin glücklich!
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